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Die Urschweiz zu Gast in der Kulturstadt
Weimar
Auch Weimar hat nun einen Schillerstein
Über das vergangene Wochenende war Kulturschweiz zusammen mit der
Festivalstadt Luzern Gast in Weimar aus Anlass der Feierlichkeiten zum 200.
Todesjahr von Friedrich Schiller. Nebst der Übergabe einer
Schillerstein-Nachbildung fand ein Urschweizer Markt auf dem Beethovenplatz
statt. Ein schweizerisch-thüringisches Wirtschaftsgespräch im Spiegelzelt sorgte
für interessante Kontakte.
Die Schillerstein-Nachbildung hat einen Platz in Weimar gefunden: (von links)
Michelle Kranz, Luzern Tourismus, Steinhauer Thomas Liebig, Anja Dietrich,
Kulturstadt Weimar, Oberbürgermeister Volkhardt Germer und Paul J. Kernatch vom
Hotel Elephant.
(Foto: Christoph Näpflin)
Vor gut einer Woche ging eine Nachbildung des Schillersteins auf die Reise vom
Urnersee nach Weimar, der Wirkungs- und Todesstätte von Friedrich Schiller. Am
vergangenen Donnerstag haben Vertreter der Urschweiz zusammen mit Thomas Liebig
aus Flüelen, der die Schillerstein-Nachbildung aus Gotthard-Gneis geschaffen
hat, das Geschenk Oberbürgermeister Volkhardt Germer in Weimar feierlich
übergeben. Der Stein steht nun mitsamt der Rütlischwurpassage aus Schillers
«Wilhelm Tell» und einer Widmung beim Eingang zum Hotel Elephant mitten in
Weimar.
Im gleichen Boot
Anlässlich seiner Rede gab der Weimarer Oberbürgermeister seiner Freude über die
gewachsene Verbindung zwischen Weimar und der Urschweiz Ausdruck. Er wünsche
sich, dass die Zusammenarbeit zwischen Weimar und der Urschweiz, welche im
vergangenen Jahr mit den Feierlichkeiten «200 Jahre Wilhelm Tell von Friedrich
Schiller» entstanden sei, weiterhin wachse und weitergeführt werden könne.
Mit der Festivalstadt Luzern haben die Kantone Uri und Schwyz eine Partnerin
gefunden, die kulturell viel zu bieten hat und gemeinsam am Fortbestand von
Kulturschweiz arbeiten kann. Zusammen kann man eine Vielzahl an kulturellen
Anlässen über das ganze Jahr verteilt anbieten, welche sich mit denjenigen der
Kulturstadt Weimar messen können. So ist eine gemeinsame Postkarte entstanden,
welche die wichtigsten Festivals von Weimar und der Kulturschweiz gegenseitig
bewirbt. Ein Bahnangebot wird die beiden Regionen verbinden und mit
touristischen Packages ergänzen.
Urschweizer Wochenende
Am Wochenende hatten die Weimarer und Gäste aus nah und fern Gelegenheit, am
Urschweizer Markt kulinarisch die Urschweiz kennen zu lernen und in den Gassen
und auf den Plätzen Jodelgesang, Alphornklänge und Theater zu geniessen. Nebst
dem Jodlerklub Tälläbuebä waren das Alphorntrio Hohle Gasse und das
Unterhaltungstrio MMM überall in der Stadt anzutreffen. Kaum hatten sich die
Formationen vor dem Schiller- oder dem Goethehaus platziert, waren sie bereits
von Schaulustigen umringt. Nicht minder für Aufsehen sorgte der Ausschnitt aus
dem Einsiedler Welttheater, welchen Vertreter aus Einsiedeln in den
Originalgewändern zum Besten gaben. Natürlich durfte in den Strassen Weimars
auch Wilhelm Tell alias Sepp Steiner nicht fehlen.
Plattform für die Wirtschaft
Wegen des Urschweizer Wochenendes hatte der Schweizerisch-Deutsche
Wirtschaftsclub in Sachsen seine alljährliche Tagung nach Weimar verlegt und
dazu verschiedene Vertreter der Urner Wirtschaft eingeladen. Nebst Daniel
Blatter vom Schweizerischen Generalkonsulat in Sachsen und zahlreichen deutschen
Wirtschaftsvertretern hatte der Urner Ständerat Hansruedi Stadler zusammen mit
verschiedenen Firmenvertretern aus Uri Gelegenheit, Urner Produkte und
Dienstleistungen sowie den Wirtschaftsstandort Uri vorzustellen. Bei Apéro und
Nachtessen konnten Kontakte geknüpft und vertieft werden.
Kultur und Tourismus
Eine spezielle Art von Kultur bietet das Köstritzer Spiegelzelt, eine
Kulturbühne mit grossem Ansehen, privat finanziert und Vorzeigebeispiel für
Zusammenarbeit von Wirtschaft und Kultur. Am Sonntagmorgen war es Austragungsort
einer deutsch-schweizerischen Gesprächsrunde über das Miteinander von Kultur und
Tourismus. Nebst dem thüringischen Ministerpräsidenten Jürgen Reinholz und
Kultursponsor Frank Siegmund auf deutscher Seite diskutierten auf Schweizer
Seite Dominik Mentha, Direktor des Luzerner Theaters, Ständerat Hansruedi
Stadler und Pater Kassian vom Kloster Einsiedeln.
Politiker und Kulturvertreter waren sich einig, dass die Kultur und somit deren
Förderung ein wichtiger Bestandteil der staatlichen Aufgaben ist und zur
Standortqualität einer Region viel beiträgt. Von einem gut funktionierenden
Kulturangebot in einer Stadt profitiert auch der Tourismus und umgekehrt. Eine
staatliche Unterstützung der Kultur ist oft als langfristige Investition zu
sehen und kann nicht immer mit exakten Rendite-Massstäben berechnet werden.
Die kulturelle Zusammenarbeit der Urschweiz mit Luzern und Weimar und allenfalls
später noch mit anderen europäischen Städten birgt ein grosses touristisches
Potenzial, das mit der guten, grenzüberschreitenden Zusammenarbeit auch genutzt
werden kann.
Als Abschluss des Besuchs in Weimar fand am Montag ein Urschweizer Abend im
Köstritzer Spiegelzelt statt mit «Älplermagroonä», Lebkuchen, Käse sowie viel
Unterhaltung. Im November wird Weimar in Luzern zu Gast sein, und an
verschiedenen Anlässen und Veranstaltungen werden die beiden Regionen sich
gegenseitig bewerben, so auch auf der Internetseite von Kulturschweiz.
Christoph Näpflin "Urner Wochenblatt"
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